Schule mit Schwung: Förderung der Selbstregulation

„Kinder machen ihre Sache gut, wenn sie können.“ (Greene, Ross). Ausgehend von diesem Grundgedanken stellt Ross Greene die These auf, dass alle Kinder in der Schule erfolgreich sein möchten.

„Warum müssen manche Schülerinnen oder Schüler mehrmals aufgefordert werden, sich einer Aufgabe zuzuwenden, während andere sich sofort in ihr Tun versenken? Eine Antwort kann sein: Weil ihre exekutiven Funktionen schwächer ausgebildet sind. Dadurch haben sie größere Schwierigkeiten, ihr Verhalten, ihre Emotionen und ihre Aufmerksamkeit zu steuern. Diese Kinder zeigen vermehrt Umstellungsprobleme, z. B. vom freien Spiel auf Stillarbeit oder vom Bereitlegen der Arbeitsmaterialien bis hin zum eigentlichen Start der Aufgabenbearbeitung.

Es fällt ihnen schwer, sich auf neue Aufgaben und Arbeitsanweisungen einzustellen. Kinder mit schwachen exekutiven Funktionen sind leichter ablenkbar, vergessen häufiger als andere Kinder Arbeitsanweisungen, sie verlieren sich in mehrteiligen Aufgaben und haben Probleme, diese zu Ende zu führen. Andere Schülerinnen und Schüler können spontane Impulse kaum unterdrücken und fallen oftmals durch unbeherrschtes oder aggressives Verhalten auf.“

Kubesch, 2015

Training der Selbstregulation und Lernen

Was ist Selbstregulation?

Als Selbstregulation bezeichnet man die Fähigkeit des Gehirns, Lern- und Verhaltensprozesse in Anpassung an die jeweilige Situation zu steuern. Es kann als eine übergeordnete Instanz des Gehirns bezeichnet werden, die die ablaufenden Prozesse steuert und deren Ineinandergreifen regelt. Diese Instanz nennt man auch das Exekutive System. Es ist die Kommandobrücke des Gehirns und ermöglicht situationsangepasstes Verhalten.

Es besteht aus den drei „Einsatzzentralen: dem Arbeitsgedächtnis (Speichern) , der Inhibition (Hemmen) und der kognitiven Flexibilität (Umstellen)“. Exekutive Funktionen ermöglichen, planvoll zu denken und zielgerichtet und systematisch Pläne zu entwickeln und zu realisieren. (vgl. Walk/Evers, S. 9/10).

Die Begrifflichkeiten (Speichern/Hemmen/Umstellen) verwenden wir in der Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern

Das Arbeitsgedächtnis wird im Unterricht benötigt, um sich Regeln, Abläufe, mehrschrittige Arbeitsanweisungen zu merken. Auch das „Updaten“ von Veränderungen in Regeln oder Abläufen gehören zu den Aufgabenbereichen des Arbeitsgedächtnisses. Die Kapazität ist bei Erwachsenen auf 5-7 Elemente beschränkt, bei Kindern und Jugendlichen geht man von weniger aus (je nach Entwicklungsstand).

Die Inhibition wird im schulischen Kontext für das erzeugen und Hemmen von Routinen, Ausschalten von Störreizen, das Steuern und Aufrechterhalten von Aufmerksamkeit sowie das Durchbrechen und Unterbrechen von Automatismen benötigt.

Die kognitive Flexibilität baut auf den beiden o.g. Funktionen auf. Sie beschreibt die Fähigkeit zum Perspektivwechsel, die Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen und sich ändernde Situationen und Anforderungen einschätzen zu können.

Lernen und Selbstregulation

Wissenschaftliche Studien belegen, dass die Fähigkeiten des exekutiven Systems die Lernleistung signifikant beeinflussen, wohingegen eine Korrelation von IQ und schulischer Leistung nur begrenzt nachweisbar ist (Grafik s.u.). Schüler, die im Alter von 11 Jahren über eine hohe Arbeitsgedächtniskapazität und eine gute Inhibitionsfähigkeit verfügen, zeigen bessere Leistungen in den Bereichen Mathematik, Sprache und Naturwissenschaften.

Hierfür braucht man in der Schule die Selbstregulation:

  • sich lange auf etwas konzentrieren
  • Störreize unterdrücken
  • Perspektiven wechseln
  • an neues Wissen anknüpfen, dieses speichern und geordnet abrufen
  • sich auf neuen Situationen einstellen